Achalasie ist eine seltene, aber ernstzunehmende Erkrankung der Speiseröhre, die die normale Beweglichkeit und Entspannung des unteren Ösophagussphinkters (LES) beeinträchtigt. Dies führt zu einer schlechten Nahrungsaufnahme und damit zu erheblichen Verdauungsproblemen. Die Symptome entwickeln sich häufig schleichend und werden zunächst oft mit anderen Erkrankungen verwechselt.
Die Hauptsymptome der Achalasie sind:
- Schluckbeschwerden (Dysphagie): Betroffene haben Schwierigkeiten, feste Nahrung zu schlucken, die oft im Brustbereich stecken bleibt. Flüssigkeiten können ebenfalls betroffen sein, wenn die Erkrankung fortschreitet.
- Regurgitation: Dies beschreibt das Zurückfließen von Nahrung oder Flüssigkeiten in den Mund, meist nach dem Essen. Es tritt auf, weil die Nahrung aufgrund der gestörten Sphinkterentspannung nicht vollständig in den Magen transportiert wird.
- Brustschmerzen: Einige Patienten berichten von schmerzhaften Empfindungen im Brustbereich, die ähnlich wie Angina pectoris (Brustenge) sein können. Diese Schmerzen entstehen durch den Druck, den die unverdauten Nahrungsmittel auf die Speiseröhre ausüben.
- Gewichtsverlust und Malnutrition: Durch die Schwierigkeiten beim Schlucken und die häufige Regurgitation nehmen viele Patienten nur noch unzureichende Mengen an Nahrung auf, was zu Gewichtsverlust und Unterernährung führen kann.
- Sodbrennen oder Refluxsymptome: Auch wenn es sich nicht um klassischen gastroösophagealen Reflux handelt, können Patienten gelegentlich Symptome wie Sodbrennen oder ein brennendes Gefühl im Brustkorb erleben.
Die Symptome der Achalasie können die Lebensqualität stark beeinträchtigen und erfordern eine genaue Diagnostik, um die richtige Therapie einzuleiten.
Im folgenden Artikel werden die verschiedenen Formen der Achalasie, die diagnostischen Verfahren wie Endoskopie und EndoFLIP, sowie die gängigen Therapieoptionen erläutert. https://www.gastroklinik.ch/refluxkrankheit-barrett-oesophagus-frueherkennung-moderne-behandlung-praevention/
Formen der Achalasie
Es gibt verschiedene Formen der Achalasie, die sich in der Schwere und dem Verlauf der Erkrankung unterscheiden. Man unterscheidet hauptsächlich zwischen:
- Primäre Achalasie: Diese Form tritt ohne erkennbare äußere Ursachen auf und ist die häufigste. Sie entsteht durch den Verlust von Nervenzellen im Bereich des unteren Ösophagussphinkters.
- Sekundäre Achalasie: Diese wird durch andere Erkrankungen wie die Chagas-Krankheit oder Tumoren verursacht, die die Funktion des Sphinkters beeinträchtigen.
Darüber hinaus gibt es verschiedene Typen der primären Achalasie, die sich je nach Ausprägung der Symptome und der Speiseröhrenbeweglichkeit unterscheiden:
- Typ 1: Klassische Achalasie mit fehlender Peristaltik und vollständiger Entspannung des LES.
- Typ 2: Achalasie mit unregelmäßigen Kontraktionen, aber teilweise Entspannung des Sphinkters.
- Typ 3: Spastische Achalasie mit starken, unkoordinierten Kontraktionen und unvollständiger Entspannung des LES.
Diagnostik der Achalasie
Die Diagnose der Achalasie basiert auf einer Kombination aus klinischen Symptomen und verschiedenen Tests. Wichtige Diagnoseverfahren sind:
1. Endoskopie
Mit einer Endoskopie kann der Arzt die Speiseröhre visuell untersuchen und andere Ursachen für die Symptome wie Tumore oder Stenosen ausschließen. Bei Achalasie ist die Schleimhaut in der Regel unauffällig, da es sich um eine funktionelle Erkrankung handelt. Die Endoskopie ist somit eine wichtige Methode, um strukturelle Veränderungen auszuschließen.
2. Manometrie
Die Manometrie ist der Goldstandard in der Diagnostik der Achalasie. Sie misst den Druck im Bereich der Speiseröhre und des unteren Ösophagussphinkters. Typisch für Achalasie sind fehlende oder stark reduzierte peristaltische Bewegungen sowie eine unvollständige Entspannung des LES.
3. EndoFLIP®
EndoFLIP® ist eine neuere Methode, die die Funktion des unteren Ösophagussphinkters präzise bewertet. Mit dieser Technologie wird der Innendruck im LES gemessen, und die Dehnbarkeit des Sphinkters wird visuell dargestellt. Diese Methode ermöglicht eine detailliertere Untersuchung und trägt zu einer genaueren Diagnose bei.
Therapie der Achalasie
Die Behandlung von Achalasie zielt darauf ab, die Entspannung des unteren Ösophagussphinkters zu fördern und den Nahrungsfluss in den Magen zu ermöglichen. Die Therapie kann je nach Schwere der Erkrankung und der Reaktion auf andere Behandlungen variieren:
1. Medikamentöse Therapie
Zu den häufig eingesetzten Medikamenten gehören:
- Kalziumkanalblocker (z. B. Nifedipin): Sie helfen, den Tonus des LES zu reduzieren.
- Nitrate (z. B. Isosorbiddinitrat): Diese erweitern den Sphinkter und verbessern die Entspannung.
Die medikamentöse Therapie kann die Symptome lindern, ist jedoch in der Regel nur eine kurzfristige Lösung.
2. Pneumatische Dilatation
Die pneumatische Dilatation ist ein Verfahren, bei dem der LES mit einem Ballon gedehnt wird, um die Verengung zu beseitigen. Diese Methode kann sehr effektiv sein, birgt jedoch das Risiko einer Perforation der Speiseröhre.
3. Chirurgische Behandlung: Heller Myotomie
Die Heller Myotomie ist eine chirurgische Methode, bei der der untere Ösophagussphinkter teilweise durchtrennt wird. Diese Operation hilft, den Druck im Sphinkter zu verringern und die Passage von Nahrung zu erleichtern. Häufig wird die Myotomie mit einer Antirefluxplastik kombiniert, um das Risiko von Reflux zu minimieren.
4. Perorale endoskopische Myotomie (POEM)
Die POEM-Technik ist ein minimal-invasiver Eingriff, bei dem der Sphinkter durch eine kleine Öffnung in der Speiseröhrenwand durchtrennt wird. Diese Methode hat sich als sehr wirksam erwiesen und erfordert eine kürzere Erholungszeit im Vergleich zur traditionellen Heller Myotomie.
5. Botulinumtoxin-Injektionen
Botulinumtoxin (Botox) kann direkt in den unteren Ösophagussphinkter injiziert werden, um die Muskelspasmen zu lösen und die Entspannung des Sphinkters zu fördern. Diese Methode wird besonders bei älteren Patienten oder solchen angewendet, die nicht für eine Operation geeignet sind.
Fazit: Eine individuelle Behandlung ist entscheidend
Die Behandlung der Achalasie muss auf die individuellen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt werden. Mithilfe moderner Diagnosetechniken wie der Endoskopie, Manometrie und EndoFLIP® kann eine genaue Diagnose gestellt und die am besten geeignete Therapie gewählt werden. Dank innovativer Verfahren wie POEM und der Heller Myotomie können Patienten eine erhebliche Verbesserung ihrer Lebensqualität erfahren.
Prof. Dr. med. Hasan Kulaksiz